In Kürze
- Seit Frühling 2026 registrieren Antiquariate in ganz Europa systematische, oft nachts ausgelöste Bestellungen mit auffälligem Muster: jeweils genau ein Exemplar pro Titel, überwiegend Sachbücher mit ISBN ab Erscheinungsjahr 1970 – ausgelöst grösstenteils vom kanadischen Unternehmen Zoom Books, das sich selbst als Ankäufer, Wiederverkäufer und Recycler von Büchern beschreibt.
- Der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) bestätigt, dass Deutschschweizer Mitglieder in den vergangenen Monaten ebenfalls ungewöhnliche Bestellmuster und höhere Abnahmemengen festgestellt haben; laut Verbandsleiterin Tanja Messerli ähnelt das Muster jenem in Deutschland, über die Auftraggeberinnen und Auftraggeber hinter den Bestellungen könne sie jedoch keine Angaben machen.
- Zoom Books bestreitet auf Anfrage, Bücher zu digitalisieren und danach zu vernichten, nennt aus rechtlichen Gründen aber keine Kundinnen und Kunden; Vorbild für den Verdacht ist Anthropics «Project Panama», bei dem laut im Rahmen eines US-Gerichtsverfahrens öffentlich gewordenen internen Dokumenten Bücher gezielt in grossem Stil gekauft, zerschnitten, gescannt und danach entsorgt wurden.
Was ist passiert?
Seit Frühling 2026 berichten Antiquariate in ganz Europa von auffälligen Bestellwellen: Automatisiert wirkende Aufträge treffen oft zwischen drei und fünf Uhr morgens ein, verlangen jeweils genau ein Exemplar pro Titel und konzentrieren sich auf Sachbücher mit ISBN, die ab 1970 erschienen sind. Hauptauftraggeber ist laut übereinstimmenden Medienrecherchen das kanadische Unternehmen Zoom Books, das sich selbst als auf Ankauf, Wiederverkauf und Recycling von Büchern spezialisiert beschreibt. Ein deutscher Antiquar, der zuerst misstrauisch wurde, tauschte sich mit Berufskolleginnen und -kollegen aus und stellte fest, dass Dutzende Antiquariate quer durch Europa dasselbe Muster erlebten; Schätzungen gehen allein für Deutschland von rund 700'000 aufgekauften Titeln aus, weltweit könnten es bis zu drei Millionen Exemplare sein.
Nun bestätigt auch der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV), dass Deutschschweizer Mitglieder ähnliche Veränderungen wie in Deutschland festgestellt haben: ungewöhnliche Bestellungen und in jüngster Zeit deutlich höhere Abnahmevolumen. Verbandsleiterin Tanja Messerli kann laut watson.ch keine Angaben zu den konkreten Auftraggeberinnen und Auftraggebern hinter diesen Schweizer Bestellungen machen, ordnet das Muster aber klar als Teil desselben europaweiten Phänomens ein. Zoom Books selbst bestreitet auf Anfrage, Bücher systematisch zu digitalisieren und anschliessend zu vernichten, verweigert aber unter Verweis auf rechtliche Gründe jede Auskunft über seine Kundschaft.
Warum ist das wichtig?
Der Verdacht hinter den Grossbestellungen stützt sich auf einen bereits belegten Präzedenzfall: Im Rahmen eines US-Gerichtsverfahrens wurden interne Dokumente von Anthropic öffentlich, die ein Projekt mit dem Codenamen «Project Panama» beschreiben – darin kaufte das Unternehmen gezielt physische Bücher in grosser Zahl auf, bevorzugt «weniger gängige» Titel, um sie mit einer hydraulischen Schneidemaschine zu zerlegen, einzeln zu scannen und danach zu entsorgen. Hintergrund ist die Suche nach Trainingstexten mit historischen Sprachniveaus und stilistischen Nuancen zu Regionalgeschichte, Sprache, Recht und Wirtschaft, die im heutigen Internet kaum vorhanden und zugleich frei von durch KI selbst erzeugten Inhalten sind – ein wachsendes Problem, da neuere Online-Texte zunehmend selbst KI-generiert sind und sich damit für Trainingszwecke schlechter eignen.
Für die Buchbranche verschärft sich damit ein Zielkonflikt: Gedruckte Bücher gelten plötzlich als wertvolle Rohstoffquelle für die KI-Industrie, während die physischen Originale nach dem Scanvorgang oft vernichtet werden und damit als greifbares Kulturgut verloren gehen – unabhängig davon, ob die einzelnen Käufe rechtlich zulässig sind. Solange keine Klarheit über die tatsächliche Verwendung der aufgekauften Bestände besteht, bleibt für Antiquariate, Verlage und Urheberrechtsinhabende zudem offen, ob und wie sie gegen eine Praxis vorgehen können, die formal auf ganz gewöhnlichen, einzeln rechtmässigen Buchkäufen beruht.
Was bedeutet das für die Schweiz?
- Für Deutschschweizer Antiquariate bedeuten die Grossbestellungen kurzfristig zusätzlichen Umsatz, langfristig aber auch den Verlust von teils seltenen, nicht mehr nachbeschaffbaren Beständen – der SBVV bezeichnet das Vorgehen als «eine von vielen Diebstahlmethoden, die sich mit der KI-Entwicklung deutlich vermehrt haben» und kritisiert, dass die Rechtsentwicklung der technologischen Entwicklung klar hinterherhinke.
- Das Schweizer Urheberrechtsgesetz (URG) kennt anders als das US-Recht kein etabliertes «Fair-Use»-Konzept, über das sich das Digitalisieren rechtmässig erworbener, aber urheberrechtlich geschützter Bücher zu Trainingszwecken pauschal rechtfertigen liesse; Schweizer Verlage und Autorinnen und Autoren, deren Werke auf diesem Weg in Trainingsdatensätze gelangen könnten, haben bislang kein Anthropic-ähnliches Präzedenzverfahren im eigenen Rechtsraum, an dem sie sich orientieren könnten.
- Für Schweizer Antiquarinnen und Antiquare empfiehlt der SBVV, bei ungewöhnlich grossen oder automatisiert wirkenden Bestellungen die Identität der Käuferschaft aktiv zu erfragen und verdächtige Muster dem Verband zu melden – eine Vorsichtsmassnahme, die angesichts der weltweiten Nachfrage nach «unverbrauchten», nicht KI-generierten Texten für Trainingsdaten auch andere Kulturgut-Bestände wie Archive und Bibliotheken betreffen könnte.
Verwendete Quellen
watson.ch berichtete über die Aussagen von SBVV-Verbandsleiterin Tanja Messerli; die NZZ und SRF ordneten das europaweite Phänomen in ausführlichen Recherchen ein, basicthinking.de fasste am 18. August 2026 den aktuellen Kenntnisstand zusammen.
- watson.ch Zoom Books kauft Bücher in Schweizer Antiquariaten – für KI-Training? Originaldatum nicht erfasst
Häufige Fragen
Was ist die Kernaussage zu KI-Firmen kaufen jetzt auch Schweizer Antiquariate leer – Verdacht auf Trainingsdaten-Beschaffung?
Seit Frühling 2026 registrieren Antiquariate in ganz Europa systematische, oft nachts ausgelöste Bestellungen mit auffälligem Muster: jeweils genau ein Exemplar pro Titel, überwiegend Sachbücher mit ISBN ab Erscheinungsjahr 1970 – ausgelöst grösstenteils vom kanadischen Unternehmen Zoom Books, das sich selbst als Ankäufer, Wiederverkäufer und Recycler von Büchern beschreibt.
Warum ist diese KI-Meldung für die Schweiz relevant?
Für Deutschschweizer Antiquariate bedeuten die Grossbestellungen kurzfristig zusätzlichen Umsatz, langfristig aber auch den Verlust von teils seltenen, nicht mehr nachbeschaffbaren Beständen – der SBVV bezeichnet das Vorgehen als «eine von vielen Diebstahlmethoden, die sich mit der KI-Entwicklung deutlich vermehrt haben» und kritisiert, dass die Rechtsentwicklung der technologischen Entwicklung klar hinterherhinke.
Welche Quelle nutzt KI News Schweiz für diese Einordnung?
watson.ch berichtete über die Aussagen von SBVV-Verbandsleiterin Tanja Messerli; die NZZ und SRF ordneten das europaweite Phänomen in ausführlichen Recherchen ein, basicthinking.de fasste am 18. August 2026 den aktuellen Kenntnisstand zusammen.