In Kürze
- In einem Experiment der Universität Zürich, der University of Limerick und der SKEMA Business School arbeiteten 189 Versuchspersonen in einem virtuellen Büro mit KI-Agenten zusammen, die sich nur in Name, Stimme und Erscheinungsbild als männlich («Johan») oder weiblich («Johanna») unterschieden – technisch waren beide identisch.
- Für exakt dieselbe erbrachte Arbeit entlohnten die Versuchspersonen die weiblich wirkende Agentin «Johanna» im Schnitt 10,25 Prozent geringer als den männlich wirkenden «Johan» – unabhängig vom Geschlecht der zahlenden Person selbst.
- Beim Vertrauen in die jeweilige Agentin fanden die Forschenden keinen statistisch signifikanten Unterschied; Mitautorin Mary Hausfeld und UZH-Informatikprofessor Thomas Fritz betonen, dass sich die genaue Ursache der Lohnlücke aus den Daten nicht eindeutig bestimmen lässt.
Was ist passiert?
Forschende der Universität Zürich, der University of Limerick und der SKEMA Business School versetzten 189 Versuchspersonen in ein virtuelles Büro, in dem sie typische Arbeitsaufgaben gemeinsam mit KI-Agenten erledigten. Die Agenten unterschieden sich ausschliesslich in Name, Stimme und optischem Erscheinungsbild – als männlich wahrgenommener «Johan» oder weiblich wahrgenommene «Johanna» – während die zugrunde liegende Technologie und die erbrachte Arbeitsleistung in allen Fällen identisch waren. Die Studie trägt den Titel «Human-Like and Male? How AI Assistant Design Relates to Trust and Monetary Reward at Work in VR».
Das zentrale Ergebnis: Für exakt dieselbe Arbeit entlohnten die Versuchspersonen «Johanna» im Durchschnitt 10,25 Prozent geringer als «Johan» – und zwar unabhängig davon, ob die zahlende Person selbst männlich oder weiblich war. Bei der Frage nach Vertrauen oder zugeschriebener Kompetenz fanden die Forschenden dagegen keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Agenten: Der Effekt zeigte sich also im tatsächlichen Zahlungsverhalten, nicht in den bewusst geäusserten Einschätzungen.
Warum ist das wichtig?
Die Diskrepanz zwischen geäusserter Haltung und tatsächlichem Verhalten ist für die Forschung besonders aufschlussreich: Die meisten Versuchspersonen gaben an, das Geschlecht der KI spiele für sie keine Rolle – ihr Bezahlungsverhalten zeigte jedoch das Gegenteil. Das deutet darauf hin, dass Geschlechterstereotype auch bei vollständig künstlichen, offensichtlich nicht-menschlichen Akteuren unbewusst wirken können, ähnlich wie sie es bei menschlichen Arbeitskräften seit langem tun. UZH-Informatikprofessor Thomas Fritz und Mitautorin Mary Hausfeld betonen zugleich, dass die Studie zwar den Effekt klar nachweist, seine genaue Ursache – etwa erlernte gesellschaftliche Assoziationen oder Erwartungen an «weiblich» gestaltete Dienstleistungsrollen – aber offenlässt.
Die Ergebnisse sind relevant für die rasant wachsende Zahl kommerzieller KI-Assistenten mit wählbarer Stimme oder Persona, von Kundendienst-Chatbots bis zu digitalen Begleitern in Unternehmenssoftware. Wenn schon die blosse Wahl einer «weiblichen» oder «männlichen» Stimme unbeabsichtigt wirtschaftliche Ungleichbehandlung erzeugen kann, stellt sich für Herstellerinnen und Hersteller solcher Systeme die Frage, wie stark Geschlechtszuschreibungen beim Design von KI-Agenten überhaupt noch sinnvoll sind – und wie sich entstehende Verzerrungen systematisch messen und reduzieren lassen.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Redaktionelle Einordnung: Die folgenden Schlussfolgerungen beziehen sich auf die genannten Quellen. Sie sind keine zusätzlichen Meldungen der Originalquelle.
- Die Beteiligung der Universität Zürich positioniert die Schweizer Hochschulforschung an einer wachsenden internationalen Debatte darüber, wie Geschlechterstereotype unbewusst in die Gestaltung und Bewertung von KI-Systemen einfliessen – relevant etwa für Schweizer Anbieter von virtuellen Assistenten und Chatbots im Kundenkontakt.
- Für Schweizer Unternehmen, die KI-Agenten mit wählbarer Stimme oder Persona im Kundendienst oder in internen Tools einsetzen, liefert die Studie einen konkreten Hinweis darauf, dass die Gestaltung solcher Agenten unbeabsichtigt wirtschaftliche Ungleichbehandlung erzeugen kann, selbst wenn die zugrunde liegende Technologie identisch ist.
- Die Resultate dürften auch in die Arbeit Schweizer Gleichstellungsstellen und in Hochschulveranstaltungen zu KI und Diversität einfliessen, etwa an der UZH selbst, die regelmässig eigene Lohngleichheitsanalysen für ihre Mitarbeitenden veröffentlicht.
Verwendete Quellen
Die Studie «Human-Like and Male? How AI Assistant Design Relates to Trust and Monetary Reward at Work in VR» entstand an der University of Limerick mit Beteiligung der Universität Zürich und der SKEMA Business School; Euronews, t3n, der Tages-Anzeiger und weitere Medien berichteten ab dem 5. Oktober 2026 darüber.
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Häufige Fragen
Was ist die Kernaussage zu UZH-Studie: Weiblich wirkende KI-Agentin erhält im Experiment 10 Prozent weniger Lohn als männliches Pendant?
In einem Experiment der Universität Zürich, der University of Limerick und der SKEMA Business School arbeiteten 189 Versuchspersonen in einem virtuellen Büro mit KI-Agenten zusammen, die sich nur in Name, Stimme und Erscheinungsbild als männlich («Johan») oder weiblich («Johanna») unterschieden – technisch waren beide identisch.
Warum ist diese KI-Meldung für die Schweiz relevant?
Die Beteiligung der Universität Zürich positioniert die Schweizer Hochschulforschung an einer wachsenden internationalen Debatte darüber, wie Geschlechterstereotype unbewusst in die Gestaltung und Bewertung von KI-Systemen einfliessen – relevant etwa für Schweizer Anbieter von virtuellen Assistenten und Chatbots im Kundenkontakt.
Welche Quelle nutzt KI News Schweiz für diese Einordnung?
Die Studie «Human-Like and Male? How AI Assistant Design Relates to Trust and Monetary Reward at Work in VR» entstand an der University of Limerick mit Beteiligung der Universität Zürich und der SKEMA Business School; Euronews, t3n, der Tages-Anzeiger und weitere Medien berichteten ab dem 5. Oktober 2026 darüber.