In Kürze

  • Laut einer Studie der Stellenplattform Jobcloud sorgen sich über 40 Prozent der unter 25-Jährigen in der Schweiz um ihren beruflichen Stellenwert angesichts der KI-Entwicklung – ein Phänomen, das die Studie als «FOBO» («Fear of Becoming Obsolete», Angst davor, überflüssig zu werden) bezeichnet.
  • Auf dem konkreten Lehrstellenmarkt zeigt sich laut Bilanz bislang ein anderes Bild: Von rund fünf Millionen Suchanfragen auf der Jobcloud-Plattform entfällt weiterhin rund eine Million allein auf die kaufmännische Lehre (KV EFZ) – gemäss Jobcloud-Gründer Urs Casty ist das Lehrstellenangebot in diesem Bereich, der als einer der ersten von KI betroffen gilt, bislang nicht spürbar zurückgegangen.
  • Bildungsökonom Stefan C. Wolter von der Universität Bern ordnet die Diskrepanz so ein: Seit dem Start von ChatGPT im November 2022 seien viele Jugendliche verunsichert, doch solange Unternehmen ihr Lehrstellenangebot nicht sichtbar reduzierten, gingen die Jugendlichen davon aus, dass sich noch nichts verändert habe.

Was ist passiert?

Eine Studie der grössten Schweizer Stellenplattform Jobcloud zeigt, dass sich über 40 Prozent der unter 25-Jährigen in der Schweiz Sorgen um ihre berufliche Zukunft im Zeitalter generativer KI machen. Die Studie bezeichnet dieses Gefühl als «FOBO» – «Fear of Becoming Obsolete», die Angst, durch KI überflüssig zu werden. Besonders betroffen fühlen sich junge Menschen in Berufsfeldern, die als anfällig für Automatisierung durch Sprachmodelle gelten, darunter kaufmännische und administrative Tätigkeiten.

Auf dem tatsächlichen Lehrstellenmarkt zeichnet die Bilanz-Auswertung ein anderes Bild: Von rund fünf Millionen Suchanfragen auf der Jobcloud-Plattform entfällt weiterhin rund eine Million allein auf die kaufmännische Lehre (Kaufmann/-frau EFZ) – kein anderer Lehrberuf wird auf der Plattform so häufig gesucht. Jobcloud-Gründer und -Inhaber Urs Casty (59) sagt dazu, das Lehrstellenangebot im KV-Bereich sei bislang nicht spürbar zurückgegangen, obwohl gerade diese Berufsgruppe oft als eine der ersten Kandidatinnen für KI-bedingte Automatisierung genannt wird.

Warum ist das wichtig?

Bildungsökonom Stefan C. Wolter (60), Leiter der Forschungsstelle für Bildungsökonomie an der Universität Bern, ordnet die Diskrepanz zwischen Verunsicherung und stabilen Lehrstellenzahlen ein: Seit der Lancierung von ChatGPT im November 2022 seien viele Jugendliche verunsichert, doch der Lehrstellenmarkt selbst habe bislang kaum Anlass zur Sorge gegeben. Solange Unternehmen ihr Ausbildungsangebot nicht sichtbar reduzieren, gehen Jugendliche laut Wolter davon aus, dass sich an ihren beruflichen Perspektiven noch nichts verändert hat – die Wahrnehmung hinkt der tatsächlichen Entwicklung also in beide Richtungen hinterher.

Der Befund ist deshalb relevant, weil er zeigt, dass subjektive KI-Ängste bei jungen Menschen und objektiv messbare Marktveränderungen zeitlich deutlich auseinanderfallen können. Für die Berufsbildung bedeutet das ein doppeltes Risiko: Einerseits könnten überzogene Ängste talentierte Jugendliche von eigentlich weiterhin gefragten Lehrberufen abhalten; andererseits könnte eine tatsächliche, aber verzögert eintretende Automatisierungswelle in administrativen Berufen die heutige Generation von Lernenden treffen, ohne dass aktuelle Zahlen bereits davor warnen.

Was bedeutet das für die Schweiz?

  • Für Schweizer KMU als Ausbildungsbetriebe ist die stabile Nachfrage nach KV-Lehrstellen zunächst beruhigend, sie sollten aber aktiv kommunizieren, wie generative KI-Werkzeuge das künftige Tätigkeitsfeld kaufmännischer Berufe verändern werden – sonst droht die Wahrnehmungslücke zwischen Ausbildungsangebot und tatsächlichem Berufsalltag mit der Zeit grösser statt kleiner zu werden.
  • Kantonale Berufsberatungsstellen sollten die Befunde als Hinweis werten, dass Informationen über reale Veränderungen im Berufsbild schneller zu den Jugendlichen gelangen müssen, als es der aktuelle Lehrstellenmarkt allein signalisiert – gerade bei KV-nahen Administrationsberufen, die stark von generativer KI betroffen sein dürften.
  • Die Diskrepanz zwischen wahrgenommener Bedrohung und stabilen Lehrstellenzahlen unterstreicht, wie wichtig eine kontinuierliche Beobachtung des Einstiegsarbeitsmarkts bleibt: Verdrängungseffekte bei Berufseinsteigenden, wie sie internationale Studien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bereits andeuten, könnten sich in der Schweiz mit Verzögerung zeigen, auch wenn die Lehrstellenzahlen aktuell noch keinen Anlass zur Sorge geben.

Verwendete Quellen

Bilanz veröffentlichte die Analyse am 11. August 2026 unter Berufung auf eine Jobcloud-Studie sowie auf Einschätzungen des Bildungsökonomen Stefan C. Wolter von der Universität Bern; Blick griff die Verunsicherung der Gen Z bei der Berufswahl in einem separaten Artikel ebenfalls auf.

Häufige Fragen

Was ist die Kernaussage zu «FOBO»: Über 40 Prozent der Schweizer Gen Z fürchten sich vor KI – der Lehrstellenmarkt zeigt bislang ein anderes Bild?

Laut einer Studie der Stellenplattform Jobcloud sorgen sich über 40 Prozent der unter 25-Jährigen in der Schweiz um ihren beruflichen Stellenwert angesichts der KI-Entwicklung – ein Phänomen, das die Studie als «FOBO» («Fear of Becoming Obsolete», Angst davor, überflüssig zu werden) bezeichnet.

Warum ist diese KI-Meldung für die Schweiz relevant?

Für Schweizer KMU als Ausbildungsbetriebe ist die stabile Nachfrage nach KV-Lehrstellen zunächst beruhigend, sie sollten aber aktiv kommunizieren, wie generative KI-Werkzeuge das künftige Tätigkeitsfeld kaufmännischer Berufe verändern werden – sonst droht die Wahrnehmungslücke zwischen Ausbildungsangebot und tatsächlichem Berufsalltag mit der Zeit grösser statt kleiner zu werden.

Welche Quelle nutzt KI News Schweiz für diese Einordnung?

Bilanz veröffentlichte die Analyse am 11. August 2026 unter Berufung auf eine Jobcloud-Studie sowie auf Einschätzungen des Bildungsökonomen Stefan C. Wolter von der Universität Bern; Blick griff die Verunsicherung der Gen Z bei der Berufswahl in einem separaten Artikel ebenfalls auf.