In Kürze
- Lukas Büttiker, stellvertretender Oberstaatsanwalt des Kantons Solothurn, berichtete von einer 55-seitigen, offensichtlich mit KI verfassten Strafanzeige mit zahlreichen Wiederholungen und grösstenteils unnötigen Beweisanträgen.
- Zwei Kantonsräte der Mitte im Kanton St. Gallen verlangen von der Regierung Auskunft über das Ausmass solcher «Agentic Flooding» genannten KI-Eingabenfluten bei Behörden und Gerichten; die Staatsanwaltschaft Aargau relativiert vorerst.
- International zeigen sich ähnliche Effekte: Sozialgerichte in Bayern verzeichnen ein Fallwachstum von 26 Prozent, britische Arbeitsgerichte sind wegen KI-generierter Klagen bereits Jahre im Voraus ausgebucht.
Was ist passiert?
Wie Netzwoche und SwissCybersecurity.net am 22. September 2026 berichteten, erreichen Schweizer Staatsanwaltschaften zunehmend Strafanzeigen, die erkennbar mit generativer KI verfasst wurden. Lukas Büttiker, stellvertretender Oberstaatsanwalt des Kantons Solothurn, schilderte den Fall einer 55-seitigen Anzeige mit Dutzenden Beweisanträgen: Sprachlich und strukturell sei der Text einwandfrei, enthalte aber zahlreiche Wiederholungen und für das Strafverfahren irrelevante Sachverhaltsschilderungen, während die verlangten Beweiserhebungen häufig überflüssig oder unrealistisch seien.
Auch im Kanton St. Gallen ist das Phänomen politisch angekommen: Zwei Kantonsräte der Mitte-Fraktion verlangten laut Radio Central von der Regierung Auskunft darüber, in welchem Ausmass Behörden und Gerichte im Kanton von einer Flut KI-generierter Eingaben betroffen sind. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Aargau, Adrian Schuler, wollte demgegenüber noch nicht von einer eigentlichen «Flut» sprechen. International wird der Effekt bereits als «Agentic Flooding» bezeichnet: Sozialgerichte in Bayern meldeten im ersten Halbjahr 26 Prozent mehr Klagen, britische Arbeitsgerichte sind Berichten zufolge wegen KI-generierter Klagen für vier Jahre ausgebucht.
Warum ist das wichtig?
Generative KI senkt die Hürde, komplexe juristische Eingaben zu formulieren, drastisch – was einerseits den Zugang zum Recht für Laien erleichtern kann, andererseits aber die Bearbeitungslast bei Behörden und Gerichten deutlich erhöht. Büttiker betonte, dass aufgeblähte Eingaben mit zahlreichen Anträgen Verfahren komplizierter machen, den Aufwand der Strafverfolgungsbehörden steigern und bei der Kostenfestsetzung berücksichtigt werden. Damit wird die Frage, wie Behörden mit KI-generierten Eingaben umgehen, zu einem konkreten Ressourcenproblem statt einer rein theoretischen Debatte.
Dass die Schweiz bislang über keine spezifische KI-Gesetzgebung verfügt und das Bundesamt für Justiz erst bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage zu Transparenz, Datenschutz und Aufsicht erarbeitet, bedeutet, dass Behörden das Problem vorerst mit bestehenden Verfahrensregeln auffangen müssen. Der politische Vorstoss aus St. Gallen zielt deshalb zunächst darauf ab, das tatsächliche Ausmass zu erfassen, bevor über verfahrensrechtliche Anpassungen entschieden wird.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Redaktionelle Einordnung: Die folgenden Schlussfolgerungen beziehen sich auf die genannten Quellen. Sie sind keine zusätzlichen Meldungen der Originalquelle.
- Weil Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini juristisch klingende Texte in Sekunden erzeugen, sinkt die Hemmschwelle für aufgeblähte Eingaben bei Schweizer Staatsanwaltschaften und Verwaltungen erheblich – mit direkten Folgekosten für Bearbeitung und im Extremfall für die anzeigenstellende Person selbst.
- Der politische Vorstoss im Kanton St. Gallen zeigt, dass Schweizer Behörden das Problem inzwischen ernst nehmen, obwohl es bisher keine landesweite Statistik zum Umfang von KI-generierten Eingaben gibt – ein Datendefizit, das die Beurteilung erschwert.
- Für Kanzleien, Rechtsdienste und KMU, die selbst KI-Textwerkzeuge zur Vorbereitung von Eingaben nutzen, ist die Entwicklung eine Mahnung: Länge und Detailtiefe ersetzen keine juristische Relevanzprüfung, und überladene Eingaben können sich bei der Kostenverlegung nachteilig auswirken.
Verwendete Quellen
Netzwoche und SwissCybersecurity.net berichteten am 22. September 2026 über KI-generierte Strafanzeigen bei Schweizer Staatsanwaltschaften; ergänzende Einordnung zum Vorstoss im Kanton St. Gallen lieferte ein Bericht von Radio Central.
Quellenstatus: 2 verlinkte Quellen · 0 von 2 Originaldaten verifiziert. Prüfregeln ansehen
- Netzwoche Weshalb man Anzeigen nicht mit KI schreiben sollte Originaldatum nicht erfasst Rolle: Primärquelle · Zugriff: Abruf nicht bestätigt · Abruf am 26. September 2026
- Radio Central Von KI verfasste Eingaben als Problem für St. Galler Behörden Originaldatum nicht erfasst Rolle: Ausgangsquelle · Zugriff: Abruf nicht bestätigt · Abruf am 26. September 2026
Häufige Fragen
Was ist die Kernaussage zu «Agentic Flooding»: KI-generierte Anzeigen und Eingaben belasten Schweizer Behörden?
Lukas Büttiker, stellvertretender Oberstaatsanwalt des Kantons Solothurn, berichtete von einer 55-seitigen, offensichtlich mit KI verfassten Strafanzeige mit zahlreichen Wiederholungen und grösstenteils unnötigen Beweisanträgen.
Warum ist diese KI-Meldung für die Schweiz relevant?
Weil Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini juristisch klingende Texte in Sekunden erzeugen, sinkt die Hemmschwelle für aufgeblähte Eingaben bei Schweizer Staatsanwaltschaften und Verwaltungen erheblich – mit direkten Folgekosten für Bearbeitung und im Extremfall für die anzeigenstellende Person selbst.
Welche Quelle nutzt KI News Schweiz für diese Einordnung?
Netzwoche und SwissCybersecurity.net berichteten am 22. September 2026 über KI-generierte Strafanzeigen bei Schweizer Staatsanwaltschaften; ergänzende Einordnung zum Vorstoss im Kanton St. Gallen lieferte ein Bericht von Radio Central.