Kurzfassung
Ökonomen der KOF (ETH Zürich) zeigen anhand von Arbeitslosenregister- und Stelleninserate-Daten bis August 2025: Seit Herbst 2022 stieg die Arbeitslosigkeit in stark KI-exponierten Berufen bis zu 30% stärker als in wenig betroffenen Vergleichsberufen.
- Ökonomen der KOF (ETH Zürich) zeigen anhand von Arbeitslosenregister- und Stelleninserate-Daten bis August 2025: Seit Herbst 2022 stieg die Arbeitslosigkeit in stark KI-exponierten Berufen bis zu 30% stärker als in wenig betroffenen Vergleichsberufen.
- 2025 zählten KI-exponierte Berufe rund 7400 Stellensuchende mehr als wenig betroffene Vergleichsberufe; gleichzeitig gingen die Stelleninserate in den stark betroffenen Berufsfeldern besonders deutlich zurück.
- Am stärksten betroffen sind Kodierende, Korrekturlesende, Anwendungsprogrammierende, Software-Entwickelnde und System-Analystinnen sowie Fachleute aus Journalismus, Werbung und Marketing; der Anstieg fällt bei unter 50-Jährigen etwas stärker aus als bei älteren Arbeitnehmenden.
Was ist passiert?
Die KOF-Ökonomen Jeremias Klaeui und Michael Siegenthaler haben eine neue Studie mit dem Titel «KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Erste Evidenz zu Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen» veröffentlicht. Die Untersuchung stützt sich auf Daten des Schweizer Arbeitslosenregisters von September 2010 bis August 2025 sowie auf sämtliche Online-Stelleninserate von September 2016 bis August 2025 – eine deutlich breitere und detailliertere Datengrundlage als frühere Umfragen zum Thema.
Das zentrale Ergebnis: Seit Herbst 2022, also seit der breiten öffentlichen Verfügbarkeit generativer KI-Werkzeuge wie ChatGPT, ist die Arbeitslosigkeit in Berufen mit hoher KI-Exposition bis zu 30% stärker gestiegen als in Berufen mit geringer Exposition. Im Jahr 2025 zählten die stark betroffenen Berufe rund 7400 Stellensuchende mehr als vergleichbare, wenig betroffene Berufsgruppen, während gleichzeitig die Zahl der Stelleninserate in diesen Feldern besonders deutlich zurückging.
Warum ist das wichtig?
Die Studie liefert damit erstmals belastbare Evidenz aus detaillierten Schweizer Verwaltungsdaten – nicht aus Umfragen oder Selbstauskünften – für einen messbaren, berufsspezifischen Effekt der generativen KI auf die Arbeitslosigkeit. Das hebt die Debatte über «KI-Stellenabbau», die bisher vor allem von einzelnen Ankündigungen grosser US-Konzerne geprägt war, auf eine belastbarere empirische Grundlage mit direktem Schweizer Bezug.
Bemerkenswert ist zudem, welche Berufe am stärksten betroffen sind: Kodierende, Korrekturlesende, Anwendungsprogrammierende, Software-Entwickelnde und System-Analystinnen sowie Fachleute aus Journalismus, Werbung und Marketing – allesamt Wissensarbeits-Berufe, die lange als vergleichsweise robust gegenüber Automatisierung galten. Das widerspricht der optimistischeren Annahme, KI verdränge vor allem repetitive oder manuelle Tätigkeiten, und wirft die Frage auf, wie schnell Umschulung und Arbeitsmarktanpassung mit dieser Entwicklung Schritt halten können.
Was bedeutet das für die Schweiz?
Für die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und die Arbeitslosenversicherung sind die Ergebnisse unmittelbar relevant: Weiterbildungs- und Umschulungsangebote müssten künftig stärker gezielt auf die identifizierten, besonders exponierten Berufsfelder wie Softwareentwicklung, Korrektorat oder Marketing zugeschnitten werden, statt auf generische arbeitsmarktliche Massnahmen zu setzen, die der spezifischen Dynamik der KI-Verdrängung nicht gerecht werden.
Für Schweizer KMU in den betroffenen Branchen ist die Studie ein Signal, frühzeitig in die KI-Kompetenz der eigenen Belegschaft und in die Neugestaltung bestehender Rollen zu investieren, statt allein auf Stellenabbau zu setzen. Für jüngere Berufseinsteigerinnen und -einsteiger, die laut Studie etwas stärker betroffen sind als ältere Arbeitnehmende, liefert die Untersuchung zudem ein konkretes Argument für eine Berufsberatung, die KI-Exposition explizit mitberücksichtigt – und der politischen Debatte über einen Ausgleich der Arbeitsmarktfolgen von KI erstmals belastbare, spezifisch schweizerische Zahlen.
Häufige Fragen
Was ist die Kernaussage zu KOF-Studie: Arbeitslosigkeit in KI-exponierten Berufen steigt in der Schweiz deutlich stärker?
Ökonomen der KOF (ETH Zürich) zeigen anhand von Arbeitslosenregister- und Stelleninserate-Daten bis August 2025: Seit Herbst 2022 stieg die Arbeitslosigkeit in stark KI-exponierten Berufen bis zu 30% stärker als in wenig betroffenen Vergleichsberufen.
Warum ist diese KI-Meldung für die Schweiz relevant?
Die Ergebnisse sind für die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und die Arbeitslosenversicherung direkt relevant: Weiterbildungs- und Umschulungsangebote müssten stärker auf spezifisch KI-exponierte Berufe wie Softwareentwicklung, Korrektorat oder Marketing zugeschnitten werden statt auf generische Massnahmen zu setzen.
Welche Quelle nutzt KI News Schweiz für diese Einordnung?
Netzwoche berichtet am 22. Juli 2026 über die KOF-Studie «KI und der Schweizer Arbeitsmarkt» von Jeremias Klaeui und Michael Siegenthaler; frühere Publikationen der KOF und der NZZ zu derselben Forschungsreihe bestätigen Methodik und Grössenordnung der Effekte.