In Kürze

  • Der «Global Call for AI Red Lines» wurde am 22. September 2025 von der Nobelpreisträgerin Maria Ressa an der UNO-Generalversammlung lanciert und ursprünglich von rund 200 Persönlichkeiten, darunter zehn Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger, unterzeichnet; mittlerweile zählt die Initiative über 300 prominente Unterstützende und mehr als 90 Organisationen.
  • Die Erklärung fordert Regierungen auf, bis Ende 2026 verbindliche, international durchsetzbare Grenzen für unzulässige KI-Anwendungen zu vereinbaren – etwa ein Verbot der Unterstützung bei der Entwicklung von Biowaffen, von Massenüberwachung, der täuschenden Nachahmung von Menschen sowie autonomer Entscheidungen in Kriegsführung oder Regierungshandeln – durchgesetzt durch eine noch zu schaffende unabhängige Instanz.
  • Mit noch rund vier Monaten bis zur selbst gesetzten Frist Ende 2026 liegt bislang kein zwischenstaatliches Abkommen vor, das die geforderten «Red Lines» verbindlich festschreiben würde.

Was ist passiert?

Am 22. September 2025 lancierte die philippinische Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa an der 80. UNO-Generalversammlung in New York den «Global Call for AI Red Lines» – einen offenen Aufruf an Regierungen, bis Ende 2026 verbindliche internationale Grenzen für unzulässige Anwendungen künstlicher Intelligenz zu vereinbaren. Zu den anfänglich rund 200 Unterzeichnenden gehörten zehn Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger sowie zahlreiche Politikerinnen, Wissenschaftler und ehemalige Staatschefs. Ein Jahr später, im September 2026, zählt die Initiative laut eigenen Angaben über 300 prominente Unterstützende und mehr als 90 Organisationen.

Die Erklärung selbst benennt keine abschliessende Liste an Verboten, schlägt aber mehrere konkrete «rote Linien» vor: ein Verbot der KI-gestützten Entwicklung von Massenvernichtungswaffen, von Massenüberwachung, der täuschenden Nachahmung von Menschen durch KI-Systeme sowie autonomer KI-Entscheidungen in kritischen Bereichen wie Kriegsführung oder Regierungshandeln. Die Unterzeichnenden fordern zudem robuste Durchsetzungsmechanismen sowie die Schaffung einer unabhängigen internationalen Instanz, welche die Einhaltung der vereinbarten Grenzen überwachen soll.

Warum ist das wichtig?

Die Initiative reiht sich in eine wachsende Zahl freiwilliger Selbstverpflichtungen und offener Appelle ein – von Anthropic-Chef Dario Amodeis Essay zur Drosselung des KI-Entwicklungstempos bis zu Microsofts kürzlich veröffentlichtem «Code of Conduct» für die MAI-Modellfamilie –, unterscheidet sich aber grundlegend in ihrem Anspruch: Statt einer unternehmensinternen Selbstverpflichtung fordert der «Global Call for AI Red Lines» ein zwischenstaatliches, rechtlich bindendes Abkommen mit unabhängiger Durchsetzung.

Mit noch rund vier Monaten bis zur selbst gesetzten Frist Ende 2026 ist von einem solchen Abkommen bislang jedoch nichts in Sicht – ein Muster, das sich bei internationalen KI-Governance-Initiativen wiederholt zeigt: Deklaratorische Absichtserklärungen mit prominenten Unterzeichnenden entstehen deutlich schneller als verbindliche, durchsetzbare Verträge zwischen Staaten mit divergierenden geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen an der KI-Entwicklung.

Was bedeutet das für die Schweiz?

Redaktionelle Einordnung: Die folgenden Schlussfolgerungen beziehen sich auf die genannten Quellen. Sie sind keine zusätzlichen Meldungen der Originalquelle.

  • Die Schweiz hat im März 2025 die Konvention des Europarats über künstliche Intelligenz, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unterzeichnet und bereitet deren Umsetzung ins Landesrecht vor – ein regulatorischer Zeitplan, der sich mit der ebenfalls für Ende 2026 angekündigten Vernehmlassungsvorlage des Bundesamts für Justiz zur KI-Regulierung und der Frist des «Global Call for AI Red Lines» überschneidet.
  • Internationales Genf, Sitz zahlreicher UNO-Organisationen und Standort wiederkehrender KI-Governance-Konferenzen wie dem AI for Good Summit, könnte bei einer allfälligen Aushandlung der von der Initiative geforderten unabhängigen Durchsetzungsinstanz eine naheliegende Verhandlungsplattform bilden, auch wenn dazu bislang keine konkreten Beschlüsse vorliegen.
  • Für Schweizer Unternehmen, die eigene KI-Modelle entwickeln oder einsetzen, bleibt der Aufruf vorerst eine politische Willenserklärung ohne unmittelbare Rechtswirkung; sollte bis Ende 2026 tatsächlich ein verbindliches Abkommen zustande kommen, wären davon aber auch Schweizer Anbieter betroffen, deren Systeme international zugänglich sind oder Auswirkungen ausserhalb der Schweiz entfalten.

Verwendete Quellen

NBC News berichtete über die Lancierung des «Global Call for AI Red Lines» an der UNO-Generalversammlung; Angaben zum aktuellen Stand der Unterzeichnungen und zur Frist Ende 2026 wurden über die Kampagnenseite red-lines.ai sowie weitere Fachmedienberichte eingeordnet.

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  • NBC News NBC News Originaldatum nicht erfasst Rolle: Ausgangsquelle · Zugriff: Abruf nicht bestätigt · Abruf am 16. September 2026

Häufige Fragen

Was ist die Kernaussage zu Globaler Aufruf für KI-«Red Lines»: Frist für verbindliche Vereinbarung läuft Ende 2026 ab?

Der «Global Call for AI Red Lines» wurde am 22. September 2025 von der Nobelpreisträgerin Maria Ressa an der UNO-Generalversammlung lanciert und ursprünglich von rund 200 Persönlichkeiten, darunter zehn Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger, unterzeichnet; mittlerweile zählt die Initiative über 300 prominente Unterstützende und mehr als 90 Organisationen.

Warum ist diese KI-Meldung für die Schweiz relevant?

Die Schweiz hat im März 2025 die Konvention des Europarats über künstliche Intelligenz, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unterzeichnet und bereitet deren Umsetzung ins Landesrecht vor – ein regulatorischer Zeitplan, der sich mit der ebenfalls für Ende 2026 angekündigten Vernehmlassungsvorlage des Bundesamts für Justiz zur KI-Regulierung und der Frist des «Global Call for AI Red Lines» überschneidet.

Welche Quelle nutzt KI News Schweiz für diese Einordnung?

NBC News berichtete über die Lancierung des «Global Call for AI Red Lines» an der UNO-Generalversammlung; Angaben zum aktuellen Stand der Unterzeichnungen und zur Frist Ende 2026 wurden über die Kampagnenseite red-lines.ai sowie weitere Fachmedienberichte eingeordnet.