In Kürze
- Die Europäische Kommission hat ChatGPT am 31. August 2026 unter dem Digital Services Act (DSA) als «Very Large Online Search Engine» (VLOSE) eingestuft – der erste KI-Chatbot mit dieser Einstufung; gleichzeitig wurden Reddit und Roblox als «Very Large Online Platforms» (VLOPs) designiert.
- Ausschlaggebend für die Einstufung war ChatGPTs Live-Websuchfunktion: OpenAI meldete rund 159,1 Millionen durchschnittliche monatliche Nutzerinnen und Nutzer für diese Funktion in der EU über die sechs Monate bis Ende März 2026 – mehr als das Dreifache des gesetzlichen Schwellenwerts von 45 Millionen.
- Ab der Notifikation haben die betroffenen Dienste vier Monate Zeit, um die zusätzlichen DSA-Pflichten für Grossplattformen zu erfüllen: jährliche systemische Risikoanalysen zu Themen wie illegalen Inhalten, Jugendschutz, psychischer Gesundheit und Wahlintegrität, unabhängige Audits sowie Datenzugang für Aufsichtsbehörden und geprüfte Forschende.
Was ist passiert?
Die Europäische Kommission hat ChatGPT am 31. August 2026 unter dem Digital Services Act (DSA) als «Very Large Online Search Engine» (VLOSE) eingestuft. Es ist die erste derartige Einstufung für einen KI-Chatbot überhaupt. Im gleichen Schritt designierte die Kommission die Plattformen Reddit und Roblox als «Very Large Online Platforms» (VLOPs). Ausschlaggebend für die ChatGPT-Einstufung war nicht die Chatbot-Funktion im Allgemeinen, sondern konkret die in ChatGPT integrierte Live-Websuche: OpenAI meldete für diese Funktion rund 159,1 Millionen durchschnittliche monatliche Nutzerinnen und Nutzer in der EU über die sechs Monate bis Ende März 2026 – mehr als das Dreifache des im DSA festgelegten Schwellenwerts von 45 Millionen, ab dem die strengeren Pflichten für Grossplattformen und -suchmaschinen greifen.
Mit der Notifikation beginnt für OpenAI, Reddit und Roblox eine viermonatige Frist, innerhalb derer sie die zusätzlichen DSA-Pflichten für als «sehr gross» eingestufte Dienste erfüllen müssen. Dazu zählen jährliche systemische Risikoanalysen zu Themen wie der Verbreitung illegaler Inhalte, dem Schutz Minderjähriger, Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit, Grundrechten sowie Wahl- und öffentlicher Sicherheit, ferner unabhängige Audits sowie ein erweiterter Datenzugang für Aufsichtsbehörden und von der EU geprüfte Forschende.
Warum ist das wichtig?
Die Einstufung markiert einen regulatorischen Wendepunkt: Erstmals ordnet eine grosse Aufsichtsbehörde einen KI-Chatbot rechtlich in dieselbe strenge Kategorie ein wie klassische Suchmaschinen und soziale Netzwerke. Bislang bewegten sich generative KI-Assistenten wie ChatGPT in einer regulatorischen Grauzone zwischen den bestehenden Kategorien des DSA und den neueren, KI-spezifischen Vorgaben des EU AI Act. Die Kommission stellt mit ihrer Begründung klar, dass es für die Einstufung nicht auf die Produktkategorie «KI-Assistent» ankommt, sondern auf die tatsächliche Funktion: Wer wie ChatGPT live im Internet nach aktuellen Informationen sucht und diese präsentiert, wird behandelt wie eine Suchmaschine.
Für OpenAI bedeutet das einen erheblichen zusätzlichen Compliance-Aufwand, der über die bereits für ChatGPT geltenden Vorgaben des EU AI Act hinausgeht. Für Nutzerinnen und Nutzer und für Forschende dürfte die Einstufung hingegen mehr Transparenz bringen: Systemische Risikoanalysen und unabhängige Audits sollen künftig offenlegen, wie ChatGPTs Websuche funktioniert, welche Risiken sie birgt und wie OpenAI diesen begegnet – Informationen, die bislang grösstenteils im Verborgenen blieben.
Was bedeutet das für die Schweiz?
- Die Schweiz ist nicht EU-Mitglied und daher nicht direkt an den Digital Services Act gebunden; da OpenAI seine Produkte und Prozesse aber in aller Regel nicht länderspezifisch unterschiedlich gestaltet, dürften viele der neuen Transparenz- und Risikoprüfpflichten faktisch auch die Version von ChatGPT betreffen, die Schweizer Nutzerinnen und Nutzer verwenden.
- Für Schweizer Unternehmen, die ChatGPT geschäftlich für Recherche oder Kundenkontakt einsetzen, könnten die neu vorgeschriebenen jährlichen Risikoanalysen und unabhängigen Audits mittelfristig zu mehr Transparenz darüber führen, wie die in ChatGPT integrierte Websuche Informationen gewichtet und ausliefert – ein Aspekt, der bislang kaum überprüfbar war.
- Die EU-Einstufung liefert zugleich einen Präzedenzfall für die Schweizer KI-Regulierung: Während das Bundesamt für Justiz die eigene Vernehmlassungsvorlage zu Transparenz-, Aufsichts- und Diskriminierungsfragen erst bis Ende 2026 vorlegen will, zeigt der EU-Schritt, wie Aufsichtsbehörden einen KI-Chatbot mit Websuche-Funktion rechtlich einordnen und regulieren können.
Verwendete Quellen
Die Europäische Kommission gab die Einstufung am 31. August 2026 in einer offiziellen Mitteilung bekannt; Euronews und weitere Fachmedien ordneten Begründung und Fristen zusätzlich ein.
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Häufige Fragen
Was ist die Kernaussage zu EU stuft ChatGPT erstmals als «sehr grosse Online-Suchmaschine» ein – mit Ausstrahlung auf Schweizer Nutzer?
Die Europäische Kommission hat ChatGPT am 31. August 2026 unter dem Digital Services Act (DSA) als «Very Large Online Search Engine» (VLOSE) eingestuft – der erste KI-Chatbot mit dieser Einstufung; gleichzeitig wurden Reddit und Roblox als «Very Large Online Platforms» (VLOPs) designiert.
Warum ist diese KI-Meldung für die Schweiz relevant?
Die Schweiz ist nicht EU-Mitglied und daher nicht direkt an den Digital Services Act gebunden; da OpenAI seine Produkte und Prozesse aber in aller Regel nicht länderspezifisch unterschiedlich gestaltet, dürften viele der neuen Transparenz- und Risikoprüfpflichten faktisch auch die Version von ChatGPT betreffen, die Schweizer Nutzerinnen und Nutzer verwenden.
Welche Quelle nutzt KI News Schweiz für diese Einordnung?
Die Europäische Kommission gab die Einstufung am 31. August 2026 in einer offiziellen Mitteilung bekannt; Euronews und weitere Fachmedien ordneten Begründung und Fristen zusätzlich ein.